Abtreibungsmethoden

In diesem Beitrag werden die gängigsten Abtreibungsmethoden in Deutschland vorgestellt. Ziel ist es sachlich zu informieren und mit Statistiken eine Vergleichbarkeit der Thematik zu gewährleisten, ohne dabei eine Pro- oder Contra-Position zur Thematik einzunehmen. Neben den „normalen“ Abtreibungsmethoden, werden auch Früh- und Spätabtreibungen vorgestellt.

Welche Abtreibungsmethoden gibt es in Deutschland?

Wenn beispielsweise im Rahmen eines Schwangerschaftsfrühtests eine Schwangerschaft festgestellt wird und auch die Schwangerschaftsuntersuchungen beim Frauenarzt bestätigen, dass ein ungültiger Schwangerschaftstest ausgeschlossen werden kann, dann stellt sich für die Eltern die Frage, ob das Kind behalten oder abgetrieben werden soll. Zu den „normalen“ Abtreibungsmethoden in Deutschland werden in der Regel die drei Abtreibungsarten „Mifegyne“ (Abtreibungspille), die „Absaugung“ und die „Curretage“ (Ausschabung) gezählt. Weiterhin gibt es die sogenannten Spätabtreibungen zu denen „Prostaglandin“, der „Fetozid“ (Kalium-Chlorid-Methode) und der „Kaiserschnitt“ gehören. Streng genommen gibt es auch noch eine dritte Gruppe der Abtreibungsarten, die sogenannten Frühabtreibungen. Hierbei handelt es sich um hormonelle Präparate mit einnistungshemmender Wirkung zu denen die Anti-Baby-Pille, das „Depotstäbchen“, die „Dreimonatsspritze“, die „Minipille“, die Spirale und die „Pille danach“ zählen. Die nachfolgende Infografik gibt eine Übersicht darüber, wie häufig diese Abtreibungsmethoden angewendet werden und zu welchem Zeitpunkt ein Schwangerschaftsabbruch erfolgen kann:

Abtreibungsmethoden

Wissenswerte Statistiken und Informationen zu den Abtreibungsmethoden in Deutschland finden Sie in unserer Infografik [Zum Vergrößern bitte zweimal auf die Grafik klicken].

Absaugung: Die häufigste aller Abtreibungsmethoden

In Deutschland werden mehr als 75% aller Schwangerschaftsabbrüche mit der Absaugmethode durchgeführt, sie ist damit die mit Abstand am häufigsten verwendete aller Abtreibungsmethoden. Die Anwendung dieser Abtreibungsart findet zwischen der sechsten und der zwölften Woche statt wenn das Kind schon deutlich entwickelt ist. Die Organe sind angelegt und die Gliedmaßen sowie das Gesicht sind bereits gut erkennbar. Bei dieser Abtreibungsmethode wird der Muttermund unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose mit feinen Metallstiften gedehnt und ein Plastikschlauch in die Gebärmutter eingeführt. Wie bei einem sehr starken Staubsauger wird das Kind mitsamt dem Mutterkuchen in Stücke gerissen und eingesogen. Dabei reißen in der Regel zuerst die Gliedmaßen ab, bevor der Rumpf vom Kopf getrennt wird. Ist der Kopf zu groß für die Saugvorrichtung muss dieser vor dem Einsaugen vom Arzt manuell zerstückelt werden. In einigen Fällen muss die Gebärmutter anschließend noch mit der Curette ausgeschabt werden, wenn die Ultraschalluntersuchung ergibt, dass nicht alle Überreste aufgesaugt werden konnten. Wie bei den operativen Abtreibungsmethoden üblich, dauert dieser Eingriff nur ca. 5 bis 15 Minuten. Die Kosten der Absaugmethode belaufen sich auf ungefähr 400-500€ und es ist möglich eine Behandlung ambulant (auch in entsprechend eingerichteten Arztpraxen) durchzuführen.

Curettage: Ausschabung der Gebärmutter

Ein Schwangerschaftsabbruch mit der Curettage als alleiniger Methode wird heutzutage relativ selten durchgeführt (ca. 11%). Gebräuchlicher ist es die Ausschabung im Zusammenspiel mit anderen Abtreibungsmethoden anzuwenden, wenn bei diesen Rückständen in der Gebärmutter verbleiben und entfernt werden müssen. Wird ausschließlich per Curettage abgetrieben, dann öffnet der Arzt mit seinen Instrumenten unter Vollnarkose den Gebärmutterhals und dringt mit einem scharfen Messer ein um das Kind zu zerschneiden. Anschließend wird mit einem stumpfen Schabeisen, der sogenannten Curette, die Gebärmutter ausgeschabt und von Rückständen bereinigt. Damit es bei der Abtreibenden nicht zu Infektionen oder Blutungen durch unentfernte Leichenteile des Babys kommt, werden diese vom Operationspersonal im Anschluss zusammengepuzzelt, um so zu überprüfen, ob alle Teile entfernt wurden. Die Dauer dieser risikoarmen Abtreibungsart beträgt ca. 5 bis 10 Minuten und die Kosten der Curettage belaufen sich auf circa 400-600€ (je nach Narkoseart).

Medikamentöse Abtreibungsarten: Die Abtreibungspille Mifegyne (RU486)

Der medikamentöse Schwangerschaftsabbruch mit der  Abtreibungspille „Mifegyne“, früher auch als RU486 bekannt, ist in Deutschland bis zum 63. Tag nach der letzten Regelblutung zugelassen (dies entspricht einem Zeitraum von neun Wochen) und wird bei ca. 10% aller Abtreibungsarten in Deutschland angewendet. Der Wirkstoff Mifepriston blockiert die Wirkung des Gelbkörperhormons Progesteron und bewirkt somit, dass der Embryo aus der Gebärmutter heraus gelöst wird und innerhalb von 36-48h stirbt. Während dem Ausstoßungsprozess kommt es häufig zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Magenkrämpfe, etc. Zwei Tage später nimmt die Frau mit Prostaglandin ein weiteres hormonelles Präparat zu sich, um mit diesem künstlich herbei geführte Wehen einzuleiten und eine Fehlgeburt auszulösen. Nach circa ein bis zwei Wochen wird eine Nachuntersuchung durchgeführt. Bei circa 5% der Frauen wird daraufhin eine zusätzliche operative Abtreibung erforderlich. Ein Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne erfolgt unter Ärztlicher Betreuung und ist wegen des verhältnismäßig hohen Betreuungsaufwandes nicht billiger als andere Abtreibungsarten (der Preis liegt ebenfalls bei ca. 400€). Näheres zu den Kosten der Abtreibungspille erfahren Sie in unserem Beitrag, interessante Sekundärliteratur zur Abtreibung und den Abtreibungsmethoden gibt es bei Amazon im Bookstore:

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Übersicht der Spätabtreibungsmethoden

Zu den späten Abtreibungsmethoden ab der 13. Schwangerschaftswoche gehören die Prostaglandin-Methode, die Kalium-Chlorid-Methode und der Kaiserschnitt. Diese Methoden werden in Deutschland in ca. 3% aller Fälle angewendet unterscheiden sich wie folgt:

  1.  Prostaglandin-Methode: Die angehende Mutter benutzt Prostaglandin um durch die Hormone künstliche Wehen auszulösen und eine Fehlgeburt einzuleiten. Nachdem das Kind ausgestoßen wurde, wird unter Vollnarkose eine Curettage durchgeführt und die Reste des Babys aus der Gebärmutter geschabt. Je später der Zeitpunkt der Fehlgeburt desto größer ist die theoretische Chance, das bei dieser Abtreibungsmethode das Kind lebend zur Welt kommt. Um entsprechende rechtliche Konsequenzen zu umgehen wird diese Abtreibungsart oftmals in Kombination mit der Kalium-Chlorid-Methode angewendet und das Kind vorab in der Gebärmutter getötet.
  2. Kalium-Chlorid-Methode: Bei dieser Abtreibungsmethode wird eine lange Nadel durch die Bauchdecke in die Fruchthöhle gestochen. Mittels Ultraschall sucht der Arzt das Herz des Embryos und spritzt das Kalium-Chlorid hinein. Durch das Gift hört das Herz auf zu Schlagen und der Kreislauf kollabiert unwiderruflich. Anschließend kann die Fehlgeburt eingeleitet werden oder das Baby per Kaiserschnitt entfernt werden.
  3. Kaiserschnitt: Diese Abtreibungsart wird heutzutage nur noch im Notfall angewendet wenn es bei einer eingeleiteten Fehlgeburt zu Komplikationen kommt. Genau wie bei einem „normalen“ Kaiserschnitt wird die Gebärmutter chirurgisch geöffnet und das Kind heraus genommen.

Anmerkung zu den Frühabtreibungsmethoden

Zu den frühen Abtreibungsmethoden gehören die hormonellen Verhütungsmittel Spirale, Pille, „Pille danach“, Dreimonatsspritze und das Depotstäbchen. Diese Mittel dienen der Empfängnisverhütung und versuchen in erster Linie einen Eisprung zu unterdrücken bzw. die Befruchtung zu verhindern. Für den Fall, dass dies fehlschlägt und man beispielsweise trotz Kupferspirale schwanger wird, wird einerseits durch eine Verdickung des Zervixschleims versucht die befruchtete Eizelle am Erreichen der Gebärmutter zu hindern und andererseits die Gebärmutterschleimhaut so verändert, dass eine Einnistung unmöglich wird. Aufgrund dieser einnistungshemmenden Wirkung wird das empfangene Kind abgestoßen und stirbt daraufhin.