Früherkennungsuntersuchung: Termin und Inhalte der U1-Untersuchung

Die Früherkennungsuntersuchung U1 ist der erste Teil der wichtigen U-Untersuchungen beim Kinderarzt. Bei diesen Vorsorgeuntersuchungen wird regelmäßig die altersgerechte  Entwicklung des Kindes überprüft.

Ziel der Früherkennungsuntersuchung ist es, sich anbahnende Gesundheitsstörungen, Leistungsschwächen oder sonstige körperliche oder geistige Auffälligkeiten beim Kind, rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Die U1-Untersuchung findet unmittelbar nach der Geburt statt und untersucht das Neugeborene auf alle lebenswichtigen Funktionen.

U1-Untersuchung: Wann findet die erste Früherkennungsuntersuchung bei Kindern statt?

Die erste Früherkennungsuntersuchung U1 erfolgt innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Geburt. Als Geburtszeitpunkt wird dabei der Zeitpunkt der Geburt des Kindes selbst festgelegt. Nicht erst der Zeitpunkt zum Ende des Geburtsvorganges.

Sobald die U1-Früherkennungsuntersuchung in der Geburtsklinik losgeht, erhält die Mutter zum ersten Mal das „Gelbe Kinderuntersuchungsheft„.

Dieses Kinderuntersuchungsheft wird auch einfach „Gelbes Heft“ genannt. Es begleitet die Eltern und ihr Kind bis zu seinem vollendeten 6. Lebensjahr. Das Kinderuntersuchunsgsheft enthält alle Ergebnisse von U1 bis U9 inklusive Datum der durchgeführten Früherkennungsuntersuchung. Mit den Informationen zu den entsprechenden Untersuchungsinhalten hilft es Eltern bei der Vorbereitung auf die weiteren Kinder-Vorsorgeuntersuchungen.

Früherkennungsuntersuchung U1

Früherkennungsuntersuchung U1: Die erste Untersuchung des Kindes erfolgt unmittelbar nach der Geburt. Sie dient dazu, das Neugeborene auf lebenswichtige Funktionen zu überprüfen.

Was wird in der U1-Untersuchung gemacht?

Bei der Neugeborenen-Erstuntersuchung U1 wird das Baby zunächst auf Geburtstraumata und sichtbare Fehlbildungen überprüft. Anschließend wird es dann auf lebenswichtige Funktionen untersucht. Dadurch sollen mögliche Komplikationen frühzeitig erkannt und diesen entgegengewirkt werden.

Die erste Früherkennungsuntersuchung U1 hat die folgenden Schwerpunkte und Ziele:

  • Erkennen von lebensbedrohlichen Komplikationen, Geburtstraumata und sofort behandlungsbedürftigen Erkrankungen und Fehlbildungen
  • Erfassung prä-, peri- und postnataler Risikofaktoren
  • Entscheidung über die weitere Versorgung des Neugeborenen

1. Schwangerschafts- und Geburtsanamnese

Zuallererst wird die frischgebackene Mutter zu ihrem Gesundheitszustand  und Schwangerschaftsverlauf befragt. Denn diese Informationen beeinflussen die kindliche Entwicklung maßgeblich. Zusätzlich werden die Angaben aus dem Mutterpass herangezogen, die bereits alle relevanten Informationen festhalten.

Außerdem werden Fragen zur Krankheitsgeschichte der Familie und die Entwicklung von älteren Geschwistern gestellt, um über mögliche vererbte Erkrankungen aufgeklärt zu sein.

Um sicherzugehen, dass das Neugeborene während seiner Geburt mit ausreichend Sauerstoff versorgt wurde, wird Nabelschnurblut entnommen und dessen Säuregrad (ph-Wert) bestimmt.

Wichtige Punkte, die in der Schwangerschafts- und Geburtsanamnese berücksichtigt werden müssen, sind deshalb:

  • Diabetes
  • Dauermedikation
  • besondere psychische und/oder soziale Belastungen
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • (Poly-)Hydramnion  (übermäßige Fruchtwassermenge)
  • Oligohydramnion (zu wenig Fruchtwasser)
  • Gestationsdiabetes
  • Abusus (Missbrauch von Genussmitteln, Medikamenten oder Drogen)
  • Antikörpersuchtest positiv
  • akute oder chronische Infektion in der Schwangerschaft
  • GBS-Status der Mutter (Test auf Gruppe B-Streptokokken)
  • Geburtsdatum
  • Geschlecht
  • vollendete Schwangerschaftswoche
  • Geburtsmodus
  • Kindslage
  • pH-Wert (Nabelarterie)

2. Körperliche Untersuchung des Kindes

Im Anschluss an die Schwangerschafts- und Geburtsanamnese folgt die körperliche Untersuchung des Babys. Diese ist besonders wichtig, um festzustellen, ob das Baby die Geburt gut überstanden hat. Im Mittelpunkt dieser Früherkennungsuntersuchung stehen die Atmung des Babys und die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems. Dazu wird der Herzschlag des Babys genau abgehört.

Wichtige Untersuchungsinhalte sind:

  • APGAR-Test
  • Größe und Kopfumfang
  • Reifezeichen
  • Fehlbildungen
  • Geburtstraumata
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Ödeme

Die U1-Früherkennungsuntersuchung beim Baby beginnt mit dem Apgar-Test. Der Apgar-Test (Aussehen, Puls, Grundtonus, Aussehen und Reflexe) ermittelt die Hautfarbe, den Herzschlag, die frühkindlichen Reflexe, die Muskelspannung und die Atmung des Babys. Der daraus abgeleitete Gesundheitszustand wird als Apgar-Wert festgehalten. Je gesünder das Kind ist, desto höher ist die Wertung. Die maximale Punktzahl ist 10. Der Apgar-Wert wird nach 5 und nochmals nach 10 Minuten ermittelt.

Größe und Kopfumfang

Nach dem Apgar-Test wiegt die Hebamme das Baby und vermisst seine Größe, sowie seinen Kopfumfang. Diese Werte sind wichtige Anhaltspunkte für die U2-Untersuchung. Denn anhand dieser kann der Kinderarzt beurteilen, ob sich das Kind gesund entwickelt.

Reifezeichen

Die Augenlider und Fußsohlen des Babys werden auf Reifezeichen untersucht. Die Marker wie z.B. verschlossene Augen oder zu wenig Falten auf der Fußsohle, sind ein Zeichen für eine Frühgeburt.

Fehlbildungen

Äußerlich erkennbare Fehlbildungen werden sofort untersucht und behandelt. So werden Beeinträchtigungen in der späteren Entwicklung des Kindes vorgebeugt.

Geburtstraumata

Während der Geburt oder durch Maßnahmen der Geburtshilfe, können Druckschwankungen entstehen. Diese verursachen in manchen Fällen Quetschungen, Blessuren oder Zerrungen am Baby. Da diese Hämatome, Lähmungen oder gar Hirnblutungen zur Folge haben, müssen diese unbedingt untersucht und behandelt werden.

Gelbsucht (Ikterus)

Ca. 60 bis 70 Prozent der Neugeborenen haben eine physiologische Gelbsucht, die durch eine leistungsschwache Leber nach der Geburt entsteht. Diese ist zwar nicht bedenklich, jedoch sollte sie im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung untersucht werden, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen.

Ödeme

Erbringt die Niere nach der Geburt nicht ihre volle Arbeitsleistung, können Ödeme (Wassereinlagerungen) am gesamten Körper entstehen. Schwere Erkrankungen werden durch die Früherkennungsuntersuchung identifiziert.

Beratungsinhalte in der Früherkennungsuntersuchung U1

Neben der Untersuchung des Kindes erfolgt auch eine Beratung der Mutter durch den Arzt. Dieser klärt die Mutter über alle wichtigen Erziehungs- oder Pflegethemen auf. Häufige Fragen von Müttern beziehen sich auf die Themen Ernährung und Stillen oder die nächsten Vorsorgeuntersuchungen.

Nach Rücksprache mit der Mutter wird dem Baby Vikamin-K zur Prophylaxe verabreicht. Denn viele Neugeborenen leiden unter einem Vitamin-K-Mangel, der das Risiko für innere Blutungen erhöht. Diese Vitamin-K-Prophylaxe wird auch in den Vorsorgeuntersuchungen U2 und U3 verabreicht.

Weitere freiwillige, aber empfohlene Untersuchungen sind:

  • Erweitertes Neugeborenen-Screening
  • Screening auf Mukoviszidose
  • Screening auf kritische angeborene Herzfehler

Diese dienen dazu, seltene Stoffwechselerkrankungen oder schwerwiegende Herzfehler zu erkennen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die U1-Untersuchung?

Alle Früherkennungsuntersuchungen (U1 bis U9) werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Eltern alle Kinderarzttermine fristgerecht einhalten. Es gelten nämlich strenge Toleranzgrenzen für versäumte Termine.

Die Vorsorgeuntersuchungen U10, U11 und J2 werden nicht von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Quellen

https://deximed.de/home/b/schwangerschaft-geburtshilfe/patienteninformationen/infektionen-in-der-schwangerschaft/streptokokken-GBS-in-der-schwangerschaft/

https://www.g-ba.de/downloads/39-261-2287/2015-06-18_2015-08-20_2016-05-19_2016-07-07_Kinder-RL_Neustrukturierung_Neufassung_konsolidiert_BAnz.pdf

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0043-115202.pdf




Letzte Aktualisierung am 29.09.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API