Nabelschnurblut – Alleskönner oder Abfallprodukt?

Thema: Nabelschnurblut – Alleskönner oder Abfallprodukt?

Wer sich ein Baby wünscht oder bereits schwanger ist, möchte natürlich nur das Beste für seinen Nachwuchs – allem voran ein gesundes und glückliches langes Leben. Doch kein Mensch erhält eine Garantie dafür. Sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter können unvorhergesehene leichte oder schwere Erkrankungen auftreten, die das Leben beeinträchtigen oder gar gefährden können.

Welche Vorkehrungen können Eltern also treffen, um ihrem Kind in einem solchen Fall die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen?

Neugeborenes nach der Abnabelung

© Paul Hakimata – Fotolia.com

Nabelschnurblut als Gesundheitsvorsorge?

Die Einlagerung von Nabelschnurblut ist bereits seit einiger Zeit eine Option für Eltern, die eine Vorsorge für ihr Kind schon direkt nach der Geburt treffen wollen. Denn das Blut enthält wertvolle Stammzellen, die zur Behandlung verschiedener Krankheiten auch nach Jahren oder Jahrzehnten noch eingesetzt werden können. Doch wieso ist das so? Was macht die Stammzellen aus Nabelschnurblut so besonders?

Stammzellen: Bausteine des menschlichen Körpers

Jeder Mensch, sowohl Kinder als auch Erwachsene, verfügt über Stammzellen – daraus ist der komplette Organismus gar erst entstanden. Allerdings muss zwischen verschiedenen Arten von Stammzellen unterschieden werden, denn nicht alle eignen sich etwa zur Behandlung einer bestimmten Krankheit, wie etwa Leukämie. Differenziert werden zunächst embryonale und adulte Stammzellen, wobei embryonale Stammzellen ausschließlich aus dem Embryoblast der befruchteten Eizelle entnommen werden können – dies würde jedoch gleichzeitig den Tod des Embryos bedeuten, weswegen die Gewinnung solch pluripotenter Stammzellen unter anderem in Deutschland gesetzlich verboten ist. Pluripotent bedeutet, dass sich diese Stammzellen zu jeder beliebigen Zellart differenzieren können, jedoch kein kompletter menschlicher Organismus entstehen kann.

Im Unterschied dazu sind adulte Stammzellen, die sowohl in Nabelschnurblut als auch im Körper eines Erwachsenen vorhanden sind, multipotent – sie können sich nur noch zu Zellen einer bestimmten Art differenzieren. So sind mesenchymale Stammzellen beispielsweise adulte Stammzellen des Bindegewebes, die sich zu unterschiedlichen Bindegewebszellen sowie -strukturen differenzieren können. Der Vorteil von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ist hierbei, dass sie aufgrund ihres noch jungen Alters als unbeschädigter gelten sowie eine höhere Teilungsrate aufweisen. Aus diesen Gründen eigenen sie sich für eine Spende bzw. die Behandlung verschiedener Krankheiten deutlich besser als die Stammzellen aus dem Körper eines Erwachsenen.

Nabelschnurblut einlagern – so funktioniert die Entnahme

Die Entnahme der Stammzellen ist sowohl für das Kind als auch für die Mutter vollkommen schmerzfrei, da dies erst nach der Abnabelung des Neugeborenen über das Blut der Nabelschnur geschieht. Mit einem speziellen Entnahmeset, das den werdenden Eltern von der Stammzellbank Ihrer Wahl bereits im Vorfeld zugeschickt wird, kann geschultes Krankenhauspersonal die Entnahme durchführen. Dies geschieht in der Regel, während das Baby bereits auf der Brust der Mutter liegt, sodass die junge Familie von dem Vorgang kaum etwas mitbekommt. Das abgenommene Blut wird im Anschluss sofort gut verpackt an die Nabelschnurbank verschickt, wo die Aufbereitung sowie das anschließende Einfrieren vorgenommen werden. Im Falle einer Erkrankung kann dann jederzeit auf die eigenen Stammzellen zur Behandlung zurückgegriffen werden.

Fazit: Nabelschnurblut lagern – ja oder nein?

Am Ende ist die Entscheidung für Eltern eine sehr persönliche. Doch die Vorteile der Nabelschnurbluteinlagerung sind sehr überzeugend, zumal die Entnahme für alle Beteiligten ohne Schmerzen erfolgt. Außerdem können die enthaltenen Stammzellen schon heute unter anderem bei der Behandlung von Leukämie eingesetzt werden, sodass das Einfrieren durchaus als Vorsorgemaßnahme betrachtet werden kann. Da die Wissenschaft jedoch intensiv forscht, wird sich der potentielle Einsatzbereich für Stammzellen aus Nabelschnurblut in den kommenden Jahren und Jahrzehnten sicherlich erweitern. Welche Möglichkeiten dieses wertvolle Blut bietet, können Sie ausführlich auch auf www.seracell.de nachlesen.

Zu bedenken gilt es in erster Linie, dass die private Lagerung der Stammzellen in jedem Fall mit Kosten verbunden ist, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, sondern von den Eltern selbst getragen werden müssen.

Dieser Artikel gehört zur Serie zum Thema StammzellenAlle Themen in der Übersicht:

  1. Eizellen einfrieren
  2. Nabelschnurblut
  3. Blut der Nabelschnur einlagern
  4. Nabelschnurblutspende
  5. Wissenswertes zur Stammzelle