Zwillingstransfusionssyndrom: Symptome, Risiko & Behandlung

Das Zwillingstransfusionssyndrom (fetofetales Transfusionssyndrom, FFTS) ist eine seltene Schwangerschaftskomplikation. Denn sie tritt ausschließlich bei einer Schwangerschaft mit eineiigen Zwillingen auf, bei der sie sich eine gemeinsame Plazenta teilen.

Das Risiko, dass die Babys noch im Körper der Mutter sterben, ist bei Nicht-Behandlung des Syndroms erhöht. Dennoch ermöglicht eine pränatale Operation beiden Babys gute Überlebenschancen und Entwicklungschancen.

Dieser Ratgeber zum Zwillingstransfusionssyndrom erklärt Ihnen

  • welche Folgen und Risiken das Fetofetale Transfusionssyndrom (FFTS) für die Zwillinge hat
  • an welchen Symptomen und Anzeichen Sie die Schwangerschaftskomplikation FFTS erkennen
  • wie die Diagnose beim Frauenarzt erfolgt und welche Methoden zur Behandlung es gibt.

Zwillingstransfusionssyndrom – Wahrscheinlichkeit und Entwicklung

Das Zwillingstransfusionssyndrom (Fetofetales Transfusionssyndrom, FFTS) ist eine gefährliche Schwangerschaftskomplikation, die im Allgemeinen jedoch eher selten auftritt. Denn das fetofetale Transfusionssyndrom (FFTS) tritt ausschließlich bei einer Zwillingsschwangerschaft mit eineiigen Zwillingen auf, die sich eine Plazenta teilen. Bei zweieiigen Zwillingen ist dieses Risiko nicht gegeben.

Die Wahrscheinlichkeit für das Zwillingstransfusionssyndrom nimmt zwischen der 17. SSW und der 25. SSW zu. Wird die Schwangerschaftskomplikation bei eineiigen Zwillingen erkannt, aber nicht behandelt, liegt die Überlebenschance der Zwillinge nur bei etwa 20 Prozent. Zu einer Wahrscheinlichkeit von 80 bis sogar 100 Prozent, sterben beide oder mindestens eines der beiden Kinder.

Die Entwicklung eines Zwillingstransfusionssyndroms wird  gefördert, sobald der Blutaustausch zwischen den beiden Babys aus dem Gleichgewicht gerät.

Ein Ungleichgewicht im Blutaustausch liegt dann vor, sobald das Blut eines der beiden Babys (dem Spender bzw. Donor) in den Blutkreislauf des anderen Babys (dem Blutempfänger bzw. Akzeptor) geleitet wird.

Welche Folgen und Risiken hat das Zwillingstransfusionssyndrom für die Zwillinge?

Das Zwillingstransfusionssyndrom (Fetofetales Transfusionssyndrom, FFTS) hat erhebliche Folgen für die Zwillinge.

So ist der Spenderzwilling (Donor) beispielsweise in seinem Wachstum eingeschränkt und erleidet eine Wachstumsretardierung, Blutarmut (Anämie), Dehydration oder ein Oligohydramnion.

Als Oligohydramnion bezeichnet man den Zustand der Fruchtblase, wenn sie vor der Geburt zu wenig Fruchtwasser enthält (weniger als 500 ml). Ein Oligohydramnion hat meist eine Verringerung der Urinausscheidung des Spenderzwillings als Ursache. Denn dadurch geht folglich auch das Fruchtwasser in der Fruchthöhle zurück.

Mögliche Folgen für den Akzeptor-Zwilling (Akzeptor) sind beispielsweise ein erhöhtes Risiko für Wasseransammlungen im Körper wie Ödeme oder Plethora, sowie ein (Poly-)Hydramnion. Ein Polyhydramnion entsteht beim Akzeptor-Zwilling aus dem Oligohydramnion des Spenderzwillings und beschreibt eine überdurchschnittliche Vermehrung der Fruchtwassermenge (mehr als 2 Liter). Weiterhin kommt es durch das Polyhydramnion zu einem Ansteigen des Blutvolumens, das das Herz und den Kreislauf belastet und im schlimmsten Fall zu einem Herzversagen führt.

Wird ein bereits stark ausgeprägtes Zwillingstransfusionssyndrom (fetofetales Transfusionssyndrom, FFTS) nicht behandelt, können sich aus den Folgen erhebliche Risiken und Folgeschäden entwickeln. Diese können sogar zu einem vorzeitigen Tod der Babys im Bauch der Mutter führen.

Auch wenn zunächst eines der beiden Babys überlebt, so beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass das Andere zu einem späteren Zeitpunkt durch Verbluten stirbt, 26 Prozent. Weiterhin sind das Risiko für Thrombose, Gehirnschäden und ein früher Tod im ersten Lebensjahr nach der Geburt erhöht.

Die nachfolgende Abbildung fasst die Anzeichen und Folgen / Risiken vom Zwillingstransfusionssyndrom (fetofetales Transfusionssyndrom, FFTS) für beide Zwillinge noch einmal zusammen.

Zwillingstransfusionssyndrom - Fetofetales Transfusionssyndrom - FFTS

Das Zwillingstransfusionssyndrom (Fetofetales Transfusionssyndrom, FFTS) tritt bei einer Zwillingsschwangerschaft mit eineiigen Zwillingen auf, welche sich eine Plazenta teilen. Diese Schwangerschaftskomplikation hat verschiedene Risiken und Folgen für die Zwillinge.

Symptome und typische Anzeichen für ein Zwillingstransfusionssyndrom

Die nachfolgenden Symptome und Anzeichen sind typisch für das Zwillingstransfusionssyndrom. Sobald eine schwangere Frau diese bemerkt, ist ein unverzüglicher Arztbesuch Pflicht. Denn mittels einer Untersuchung per Ultraschall, sind eine rechtzeitige Diagnose und Ableitung von Behandlungsmaßnahmen möglich.

  • ab der 16. SSW ungewöhnlich schnelles Wachstum vom Babybauch
  • unangenehmes Spannen und Drücken am Bauch
  • Fruchtwassermenge nimmt stetig zu
  • starke Dehnung der Gebärmutter (zwischen Bauchnabel und Brustbein spürbar)
  • Kurzatmigkeit
  • Rückenschmerzen
  • keine Kindsbewegungen spürbar (Babys haben keine Kraft)

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Diagnose und Behandlung vom Zwillingstransfusionssyndrom

Da alle Mehrlingsschwangerschaften zu einer Risikoschwangerschaft zählen, benötigt auch eine Zwillingsschwangerschaft intensive und regelmäßige Untersuchungen per Ultraschall. Im Ultraschallbild ist bereits zwischen der 9. SSW und 12. SSW sichtbar, ob die Zwillinge von einer gemeinsamen Plazenta versorgt werden. Ist dies der Fall, beobachtet der Arzt die Babys künftig alle zwei Wochen per Ultraschall.

Parallel zur Untersuchung und Diagnose per Ultraschall führt der Arzt eine Differentialdiagnose durch, damit eine gefährliche Plazentainsuffizienz rechtzeitig erkannt wird.

Zur Behandlung vom  Zwillingstransfusionssyndrom (fetofetales Transfusionssyndrom, FFTS) werden zwei verschiedene Möglichkeiten durchgeführt.

1. Punktierung und Absaugen von überschüssigem Fruchtwasser (wird nur noch in Einzelfällen angewendet)

  • Entlastung des Kreislaufs des Akzeptor-Zwillings
  • Verhinderung einer Frühgeburt
  • Achtung: Verkürzt die Schwangerschaftsdauer und erhöht das Risiko für Folgeschäden / Tod im Mutterleib

2. Lasertherapie unter örtlicher Betäubung (fetoskopische Laserkoagulation)

  • pränatale Operation (operativer Eingriff vor der Geburt)
  • erfolgt zwischen der 16. SSW und der 28. SSW
  • Einführung einer 1,9 mm dünnen Lichtquelle (Fetoskop) durch die Bauchdecke der Mutter in die Fruchthöhle des Akzeptor-Zwillings
  • Einführung einer 400 Mikrometer dünnen Laserfaser durch einen zweiten Seitenkanal
  • Verödung der auf der Oberfläche der Plazenta verlaufenden Gefäße (Anastomosen) zwischen den beiden Fruchthöhlen mittels Laser
  • Ablassen von ein bis zwei Liter Fruchtwasser

Die pränatale Operation per Laser ist die beste Therapie beim Zwillingstransfusionssyndrom. Denn in 80 Prozent aller Fälle wird mindestens das Leben eines der beiden Zwillinge gerettet und in etwa 60 Prozent aller pränatalen Operationen überleben beide. Bleibende Folgeschäden kommen nur bei 5 Prozent der Betroffenen vor. Allerdings steigt bei nach einer pränatalen Operation die Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt.

Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie über Schwangerschaftskomplikationen. Überblick aller Ratgeber:

  1. Blasenmole
  2. Eileiterschwangerschaft
  3. KiSS-Syndrom
  4. Muttermundschwäche
  5. Neuralrohrdefekt
  6. Nierenbeckenentzündung
  7. Plazentainsuffizienz
  8. Präeklampsie
  9. Ringelröteln
  10. Risikoschwangerschaft
  11. Singuläre Nabelschnurarterie
  12. Schwangerschaftsprobleme
  13. Streptokokken
  14. Verhaltene Fehlgeburt
  15. Vorzeitiger Blasensprung
  16. Zwillingstransfusionssyndrom

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Letzte Aktualisierung am 13.12.2018 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API