Hormonfreie Verhütung

Die hormonfreie Verhütung ist eine Alternative zu hormonellen Verhütungsarten und beinhaltet teilweise chemische Verhütungsmittel. Während bei den hormonbasierten Verhütungsmethoden der weibliche Körper mitunter Jahre lang hormonellen Behandlungen ausgesetzt oder von einzelnen Frauen gar nicht erst vertragen wird, bieten alternative Verhütungsvarianten ein deutlich schonenderes Verfahren.

Hormonfreie Verhütung: Übersicht der Methoden

Die hormonfreie Verhütung basiert auf Barrieretechniken, die meistens verhindern, dass das Sperma in die Eileiter gelangen kann und somit eine Eizelle befruchtet. Man spricht daher auch von Barrieremethoden. Zu den Barrieremethoden gehören:

  • Coitus Interruptus (Pearl-Index: ca. 27)
  • Diaphragma (Pearl-Index ohne Gel: ca. 6 | Mit Gel: ca. 3)
  • Kondom (Pearl-Index: ca. 2-12)
  • Kupferkette (Pearl-Index: ca. 0,1-0,3)
  • Kupferspirale (Pearl-Index: ca. 0,3-0,8)
  • Symptothermale Methode (Pearl-Index: ca. 0,3-0,4)
  • Zykluscomputer (Pearl-Index modellabhängig: sollte <1 sein)

Um die hormonfreie Verhütung anhand der Sicherheit beurteilen zu können, wurde dieser Liste der Pearl-Index hinzu gefügt. Dieser Index gibt an, wie viele von 100 Frauen innerhalb eines Jahres ungewollt schwanger wurden. Sexuell aktive Frauen ohne Verhütungsmethoden haben einen Pearl-Index von 80-90, das bedeutet, dass hierbei innerhalb eines Jahres 80-90 Frauen schwanger werden.

Hormonfreie Verhütungsmethoden im Detail

Coitus Interruptus

Der Coitus Interruptus ist eine der unsichersten Verhütungsmethoden. Hierbei handelt es sich um unverhüteten Geschlechtsverkehr bei dem lediglich der Penis vor dem Ejakulieren aus der Vagina heraus gezogen wird. Von 100 Frauen die diese hormonfreie Verhütung anwenden, werden daher auch ca. 27 Personen schwanger durch Lusttropfen und nicht aufgefangenes Ejakulat, sodass diese Variante nicht zu empfehlen ist. Ein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten ist ebenfalls nicht gegeben.

Diaphragma

Das Diaphragma wird auch Pessar genannt. Es gilt als „Kondom der Frau“ und bietet ebenfalls die Möglichkeit für hormonfreie Verhütung. Es besteht aus Silikon oder Latex und sieht aus wie eine große Schale. Um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden, wird das Diaphragma in die Vagina eingeführt und so über den Gebärmuttermund gezogen, dass es die Gebärmutter vor eindringenden Spermien verschließt. Zur Sicherheit sollte diese hormonfreie Verhütung zusätzlich mit Spermien abtötendem Gel , welches in dass Diaphragma aufgetragen wird, angewendet werden. Das Diaphragma ist zwar rezeptfrei erhältlich, muss aber von einem Frauenarzt auf die Körpermaße der Frau eingestellt werden. Ein Nachteil besteht darin, dass es ca. eine halbe Stunde vor dem Sex bis etwa acht Stunden danach in der Vagina verbleiben muss und anders als beim „richtigen“ Kondom kein Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten besteht. Weiterhin muss bei Gewichtsschwankungen von mehr als drei Kilogramm, das Pessar neu eingestellt und angepasst werden. Die Kosten für diese hormonfreie Verhütung betragen ca. 50€ für das Diaphragma und ca. 10€ für 100ml Gel.

Kondom

Das Kondom ist wohl die beliebteste hormonfreie Verhütung. Die Besonderheit der kleinen Latexgummis ist, dass sie als einzige hier vorgestellte Methode wirksam vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen. Hierzu wird das Kondom vor dem ersten sexuellen Kontakt über den Penis gestreift. Vorteilhaft ist die spontane Einsatzmöglichkeit und das keine Beeinflussung des weiblichen Zyklus erfolgt. Kritikpunkte für diese hormonfreie Verhütung entstehen bei Latexallergie oder durch das Fremdkörpergefühl des Gummis der die Empfindsamkeit einschränken kann. Der Pearl-Index weist bei Kondomen Schwankungen auf, da die Sicherheit maßgeblich von der richtigen Benutzung des Anwenders abhängt.

 Hormonfreie Verhütung

Hormonfreie Verhütung: Das Kondom gehört zu den beliebtesten Verhütungsmitteln.

Kupferkette

Die hormonfreie Verhütung mittels Kupferkette geschieht intrauterin. Dies bedeutet, dass die Kupferkette in die Muskulatur der Gebärmutter implementiert wird. Bei Kontakt mit der Gebärmutterschleimhaut sondert die Kette Kupferionen ab. Diese töten Spermien ab und verhindern die Befruchtung der Eizelle. Ein großer Vorteil besteht darin, dass nach der Entnahme der Kupferkette der weibliche Hormonzyklus, sofort nach der nächsten Periode wieder normalisiert ist. Die Kupferkette kann bis zu fünf Jahre im Körper verbleiben und führt NICHT zu verstärkten Monats- oder Zwischenblutungen. Lediglich nach dem Einsetzen kann es in den ersten Monaten zu verstärkten Zyklusblutungen kommen. Zu Beachten ist, dass auch diese hormonfreie Verhütung nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt und bei Kupferallergie nicht angewendet werden darf.

Kupferspirale

Die Kupferspirale bietet, genau wie die Kupferkette, die Möglichkeit für eine hormonfreie Verhütung. Die Spirale wird in die Gebärmutter eingesetzt, wo sie als Fremdkörper wirkt und somit die Einnistung verhindert. Weiterhin werden Kupferionen abgegeben, welche die Mobilität der Spermien beeinträchtigen. Mit 5-10 Jahren Tragedauer ist die Kupferspirale deutlich länger anwendbar als die Kupferkette. Der Zyklus wird während des Anwendungszeitraums nicht beeinträchtigt und muss sich, anders als bei hormonbasierten Methoden, nach dem Absetzen nicht erst einpendeln. Zu den Nachteilen gehört auch hierbei der fehlende Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Es besteht auch die Gefahr von Eileiterschwangerschaften, stärkeren Regelblutungen und Schmerzen im Zusammenhang mit dem Einsetzen und der Größe der Kupferspirale.

Sympthothermale Methode

Diese hormonfreie Verhütung besteht aus mehreren Komponenten und wird vor allem im Rahmen der natürlichen Familienplanung (NFP) eingesetzt. Sie umfasst:

  • Billingsmethode (Beobachtung des Zervixschleims)
  • Temperaturmethode (Messung der Basaltemperatur)
  • Beobachtung der Muttermundöffnung

Das Ziel der sympthothermalen Methode ist es die fruchtbaren Tage zu ermitteln. Dadurch kann an den unfruchtbaren Tage unverhütet miteinander geschlafen werden. Die Kenntnis der fruchtbaren Tage ermöglicht es wiederum an diesen Terminen entweder zu verhüten (beispielsweise mit Kondom oder Diaphragma) oder bei Kinderwunsch ganz bewusst darauf zu verzichten. Zeichen für fruchtbare Tage bzw. den Eisprung sind u.a. ein veränderter Zervixschleim, dessen Konsistenz immer flüssiger und klarer wird, je näher der Eisprung rückt. Dann steigt auch die Basaltemperatur um ca. ein halbes Grad an. Diese kann morgens immer zur gleichen Uhrzeit mit einem sensiblen Thermometer vor dem Aufstehen gemessen und beispielsweise in unseren Zykluskalender zum Ausdrucken eingetragen werden. Auch die Öffnung des Muttermundes ist für diese hormonfreie Verhütung ein Signal und kann vorsichtig mit dem Finger ertastet werden. Zu den Vorteilen der sympthothermalen Methode gehören die hohe Sicherheit, der geringe Preis und das bessere Kennenlernen des eigenen Zyklus, der durch diese Verhütungsart nicht verändert wird. Problematisch ist der Aufwand und erforderte Kontinuität der Aufzeichnungen, sowie äußere Einflussfaktoren (Stress, Krankheit, etc.), die das Ergebnis verfälschen können oder wenn fruchtbare Tage bei unregelmäßigem Zyklus berechnet werden sollen.

Letzte Aktualisierung am 20.10.2017 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API

Zykluscomputer

Der Zykluscomputer basiert auf der sympthothermalen Methode (siehe gleichnamiger Absatz) und vereinfacht dem Anwender die Arbeit der Auswertung. Je nach Modell liegt der Pearl-Index unter 1.