Neuralrohrdefekt – Entwicklung, Ursachen & Risiko

Ein Neuralrohrdefekt („offener Rücken“) bezeichnet Fehlbildungen des Zentralnervensystems (ZNS), der Wirbelsäule und des Rückenmarks eines Embryos. Ein Defekt am Neuralrohr kann zu leichten Beeinträchtigungen, Behinderungen oder gar zur Totgeburt des Kindes führen. Meist ist ein Neuralrohrdefekt auf einen Folsäuremangel in der Schwangerschaft zurückzuführen, weshalb während der Schwangerschaft empfohlen wird, zusätzliche Folsäurepräparate zur Vorbeugung einzunehmen.


Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie über Schwangerschaftskomplikationen. Überblick aller Ratgeber:

  1. Blasenmole
  2. Eileiterschwangerschaft
  3. KiSS-Syndrom
  4. Neuralrohrdefekt
  5. Nierenbeckenentzündung
  6. Präeklampsie
  7. Ringelröteln
  8. Risikoschwangerschaft
  9. Schwangerschaftsprobleme
  10. Streptokokken
  11. Vorzeitiger Blasensprung

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Neuralrohrdefekt – Entwicklung von Neuralrohr und Ursachen für Defekte

Ein Neuralrohrdefekt bezeichnet Fehlbildungen des Zentralnervensystems (ZNS) und entwickelt sich aus einem mangelhaften Verschluss vom Neuralrohr. Das Neuralrohr ist die erste Anlage des Nervensystems, aus der sich Gehirn und Rückenmark entwickeln. Sollte sich das Neuralrohr gegen Ende der 1. Schwangerschaftswoche nicht gänzlich schließen, können sich einige Teile des Nervensystems nicht vollständig entwickeln. Auf diese Weise kann es zu schweren Entwicklungsstörungen von Gehirn, Rückenmark und Wirbelsäule kommen. Die Ursachen für einen Neuralrohrdefekt sind sehr vielfältig. Sie können beispielsweise durch Chromosomenstörungen, Stoffwechseleinflüsse, Infektionen und hohes Fieber ausgelöst werden. Insbesondere wenn Infektionen oder hohes Fieber in der 5. SSW oder 6. SSW auftreten, in der Schwangerschaftsphase in der sich das Neuralrohr normalerweise schließt, kann ein Defekt am Neuralrohr verursacht werden. Ein weiterer Auslöser von Neuralrohrdefekten kann ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft sein. Folsäure ist ein für das Embryo wichtiges Vitamin B, das für die Blutbildung und weitere Stoffwechselvorgänge benötigt wird. Da der Körper Folsäure allerdings nicht selbst bilden kann, wird in der Schwangerschaft oft empfohlen, zusätzliche Folsäurepräparate einzunehmen.

Neuralrohrdefekt

Ein Neuralrohrdefekt bezeichnet Fehlbildungen des Zentralnervensystems, der Wirbelsäule und des Rückenmarks eines Embryos.

Neuralrohrdefekt – Risiko und Therapiemöglichkeiten

Ein Neuralrohrdefekt kann in unterschiedlichster Form auftreten. Bei einem Defekt der Form „Spina bifida“ liegt ein Teil der Wirbelsäule offen, sodass das Risiko einer späteren Behinderung gegeben ist. Je nach Lage und Größe der Öffnung, sowie Umfang der Schädigung kann eine frühzeitige Operation spätere Schäden minimieren. Beim Neuralrohrdefekt „Anenzephalie“ bilden sich der Schädel und das Gehirn nicht vollständig aus, sodass betroffene Babys im schlimmsten Fall tot geboren werden oder kurz nach ihrer Geburt sterben können. Weitere Probleme, die aufgrund eines Defekts am Neuralrohr auftreten können sind Querschnittslähmung, Verkrümmung der Wirbelsäule, Nieren- und Darmstörungen oder ein Hydrozephalus (Wasserkopf). Im letzteren Fall kann die Gehirnflüssigkeit nicht abfließen, sodass mit einer Operation für einen kontinuierlichen Abfluss (Shunt) gesorgt werden muss. Je nach Schweregrad des Defekts kann er gut therapiert werden oder lebenslange Behinderungen nach sich ziehen. Wichtig ist für die Therapie ist jedoch, den Defekt so früh wie möglich zu erkennen. Im Rahmen der pränatalen Diagnostik kann ein Neuralrohrdefekt erkannt werden.

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Wie man einen Neuralrohrdefekt vorbeugen kann

Da viele Frauen ihre frühe Schwangerschaft nicht bemerken, ist es wichtig, schon bei Kinderwunsch mit der Einnahme von Folsäurepräparaten zu beginnen, da ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft einen Defekt am Neuralrohr begünstigt. In den ersten vier Schwangerschaftswochen entwickelt sich das Neuralrohr, aus dem sich das zentrale Nervensystem entwickelt. Damit die Entwicklung vollständig abschließen kann, braucht der Körper das B-Vitamin Folsäure, das für wichtige Stoffwechselvorgänge und die Blutbildung benötigt wird. Die Einnahme von Folsäure erst nach einem positiven Schwangerschaftstest käme bereits zu spät. Eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Fisch und Obst kann einem Neuralrohrdefekt zwar nicht alleine, dafür aber auf eine natürliche Art vorbeugen. Da viele Lebensmittel allerdings nicht oder nur in Maßen auf den Speiseplan während der Schwangerschaft gehören, sollte ein Blick auf die Checkliste zu den verbotenen Lebensmitteln geworfen werden.