Hilft Nabelschnurblut gegen Leukämie?

In diesem Artikel stellen wir uns der Frage, ob Nabelschnurblut gegen Leukämie hilft. Leider haben wir in diesem Jahr einen guten Freund nach langem Kampf gegen den Blutkrebs verloren und uns daher ungewollt intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt.

Insbesondere der harte und auszehrende Kampf des Betroffenen gegen die Leukämie war für Familie, Freunde und Bekannte schwer mit anzusehen. Hinzu kam erschwerend, dass seitens der DKMS kein passender Spender gefunden wurde und letztlich der Sohn des erkrankten Krebspatienten für seinen Vater Knochenmark spendete. Leider ist es heutzutage immer noch so, dass laut DKMS jeder zehnte Krebspatient in deren Spenderdatei keinen geeigneten Spender findet.

Im Zuge der Leukämie Spendersuche haben wir uns typisieren und in die DKMS Datenbank aufnehmen lassen, was wir an dieser Stelle auch jedem Leser empfehlen möchten. Unter https://www.dkms.de/de/spender-werden kann man die Voraussetzungen prüfen lassen und sich kostenlos ein Spenderset organisieren. Schwangere Mütter können überdies bei der Geburt Nabelschnurblut spenden oder für das eigene Kind prophylaktisch einlagern.

Anwendung von Nabelschnurblut in der Krebstherapie

Zusammenfassung und Schnelleinstieg: Die Stammzellen aus der Nabelschnur heilen mittlerweile über 80 verschiedene Erkrankungen, darunter auch Leukämie. Am häufigsten werden heutzutage Fremdtransplantationen durchgeführt. Die Anwendung innerhalb der eigenen Familie oder die Eigentransplantation im späteren Leben des Kindes bieten eine zusätzliche Gesundheitsabsicherung. Hierzu muss die private Einlagerung von Nabelschnurblut gewählt werden, welche mit Kosten von ca. 1500€ bis 3000€ zu Buche schlägt.

Was macht Nabelschnurblut so besonders? Die Nabelschnur verbindet den Blutkreislauf von Mutter und Kind. Im Nabelschnurblut sind wertvolle Stammzellen enthalten, die zur Behandlung schwerer Krankheiten dienen. Leider werden jährlich nur bei etwa 3% bis 5% aller Geburten diese Stammzellen konserviert, der Rest landet einfach im Klinikabfall. Ein Grund dafür findet sich wohl in mangelnder Aufklärung, sowie der Verunsicherung betroffener Eltern durch die Diskussion um private Nabelschnureinlagerungen. Das ist für betroffene Patienten besonders bitter, denn insbesondere bei der Behandlung von Leukämie helfen Stammzellen aus der Nabelschnur bei der Blutbildung nach der Chemotherapie.

Lesetipp: Bei unserer Recherche sind wir auf Elterngeld.de auf einen sehr guten und ausführlichen Beitrag mit den Vorteilen und Nachteilen von Nabelschnurblut gestoßen. Wenn Sie selbst zu den verunsicherten Eltern gehören, dann finden Sie dort eine detaillierte Erklärung zu den einzelnen Möglichkeiten der Nabelschnurblutkonservierung oder medizinischen Aspekten beim Auspulsieren der Nabelschnur.

Für die Zukunft versprechen sich Forscher durch die schnelle Zellvermehrungsrate noch weitere Anwendungsmöglichkeiten, neben der Leukämie. So steckt viel Potential in der Behandlung beschädigter oder erkrankter Körperzellen. Da die Stammzellen bei der Geburt noch undifferenziert sind, lassen sich aus ihnen verschiedene Zelltypen züchten.

Verträglichkeit: Eigentransplantation und Fremdtransplantation bei Leukämie

Die zwei größten Risikofaktoren bei Transplantationen sind:

  1. Abstoßungsreaktionen durch das eigene Immunsystem
  2. Übertragung von unentdeckten Krankheitsüberträgern bei Fremdspendern

Eigentransplantation von Stammzellen: Beide Faktoren fallen bei der Eigentransplantation weg. Das eigene Blut wird vom Immunsystem nicht als Fremdkörper anerkannt und externe Krankheitsüberträger entfallen. Für Leukämie bei Kleinkindern, sowie Erbkrankheiten kommt das Verfahren normalerweise nicht zum Einsatz. Die eigenen Stammzellen des Nabelschnurblutes beinhalten nämlich das gleiche Erbgut wie alle anderen Zellen. Dies schließt leider auch Mutationen und Gendefekte mit ein.

Nabelschnurblut Leukämie

Nabelschnurblut bei Leukämie: Die Transplantation gelingt mit Stammzellen besonders gut.

Transplantation in der Familie: Innerhalb der Familie besteht eine hohe Kompatibilität der Spender. Spendet man das Nabelschnurblut bei der Geburt an eine öffentliche Datenbank, so kann man eine Reservierung für die eigene Familie vornehmen lassen (sogenannte gerichtete Spende). Tritt später einmal Leukämie in der Familie auf, so ist gleich geeignetes Spendermaterial verfügbar. Auch angeborene Blutarmut oder Immunschwächen lassen sich so heilen. Achten Sie bei der Lagerung in privaten Nabelschnurblutbanken unbedingt auf eine Abgabegenehmigung für Geschwister.

Allogene Transplantationen (Fremdtransplantationen) bei Leukämie: Stammzellen aus der Nabelschnur sind immunologisch noch nicht voll ausgereift und unterliegen auch bei Fremdtransplantationen einer geringen Abstoßungsrate. Die Plazentaschranke, ein Gewebefilter zwischen dem mütterlichen Blutkreislauf und dem kindlichen Kreislauf, verringert zusätzlich das Risiko für Infektionen. Die Anwendung der Stammzellen aus dem Nabelschnurblut ist daher prädestiniert für die Behandlung von Leukämie.

Nabelschnurblut spenden, einlagern oder Nabelschnur auspulsieren lassen?

Öffentliche Spende: Beim Spenden von Nabelschnurblut werden die Stammzellen in einer Datenbank für Patienten mit passenden Gewebemerkmalen bei Leukämie und anderen Krankheiten verfügbar gemacht und retten Leben! Die Behandlung, Aufbereitung und Lagerung ist kostenlos für Mutter und Kind. Besteht später selbst Bedarf, so kann man nur noch auf die Spende zugreifen, wenn Sie nicht bereits anderweitig eingesetzt wurde. Mit einer gerichteten Spende können Familienmitglieder priorisiert werden. Nachteil: Die Entnahme des Nabelschnurblutes ist bei der Geburt mit einer früheren Abnabelung verbunden.

Private Einlagerung: Dieses Verfahren schlägt mit Kosten von 1500€ bis 3000€ zu Buche. Es garantiert aber, dass man Eigentümer der Stammzellen bleibt und diese bei Unterzeichnung einer Abgabegenehmigung auch für Familienmitglieder nutzen darf. Im Falle weiterer Forschungserfolge schließt man quasi eine zusätzliche Gesundheitsvorsorge (Kritiker nennen dies gerne auch Gesundheitswette) für das Kind ab. Insgesamt steckt das Verfahren noch in den Kinderschuhen (ca. 15-jährige Erfahrung in der Cryo-Konservierung), bietet aber ein riesiges Potential für die Wissenschaft. Nachteil: Nach Ablauf der Einlagerungszeit entsorgt man unbenutzte Stammzellen. Diese hätten in einer Spenderdatenbank möglicherweise Leben bei einer Leukämie gerettet. Die Option auf Spende kann hier Abhilfe schaffen und sollte bei der Einlagerung geprüft werden.

Auspulsieren: Ein Auspulsieren bei der Geburt verringert die Stammzellenmenge soweit, dass eine Entnahme zur Spende oder Einlagerung gegen Leukämie nicht mehr möglich ist. Dafür hat das Kind ca. 30% mehr Eigenblutvolumen, bessere Eisenwerte und wird noch länger durch den Sauerstoff im Blut versorgt. Dadurch kann die Atmung schonender aufgenommen werden und die Mutter-Kind-Bindung wird gestärkt. Nachteil: Leicht gestiegenes Risiko für Neugeborenen-Gelbsucht.

Wo kann man Nabelschnurblut spenden oder einlagern?

Abschließend haben wir für Sie noch eine Übersicht zusammen getragen, wo Sie Nabelschnurblut spenden oder einlagern können.

Zu den öffentlichen Nabelschnurdatenbanken für Spender zählen:

  • Deutsche Nabelschnurbank NKR-Leben schenken, Hannover
  • DKMS Nabelschnurblutbank, Dresden
  • José Carreras Stammzellbank, Düsseldorf
  • Mannheimer Nabelschnurblutbank
  • Nabelschnurblutbank Freiburg
  • Nabelschnurblutbank München
  • Universitätsklinikum Erlangen

Für die private Einlagerung von Nabelschnurblut gibt es in Deutschland vier große Anbieter:

  • Cryo-Save GmbH, Aachen
  • Deutsche Stammzellenbank DSB
  • Eticur GmbH, München
  • Vita 34 AG, Leipzig